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LifeDesigning lädt ein, alle Bereiche des Lebens zu gestalten. Die Frage "Ist das schon alles gewesen?" soll nicht am Schluss der Karriere oder sogar des Lebens stehen. Fokus dieses Artikels über LifeDesigning ist quasi stellvertretend die Gestaltung der Berufslaufbahn. Wir nennen es Life/work Designing. Jeder Einzelne kann für sich Wege zur Lebens- und Arbeitszufriedenheit erarbeiten. Auch in einer Welt mit veritablem Arbeitsweltbeben, wo Vertrauen und Mass wieder gefunden werden müssen. Als Lebensunternehmer strebt er an, seinen selbst definierten, mit den weiteren Lebensbereichen ausbalancierten "idealen Job" zu finden und zu gestalten. Damit werden alle Seiten, auch der Arbeitgeber, gewinnen.
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Januar 2003. Ich vergegenwärtige mir nochmals diverse Artikel in Zeitungen und Zeitschriften, welche versuchen, die erschütternden Vorkommnisse (work quake) vom letzten Jahr aufzuarbeiten. Aus einigen Artikeln geht hervor, dass dieses Purgatorium für die Wirtschaft bereits für einen Neuanfang genüge. Andere äussern die Ansicht, dass noch weitere Säuberungen vonnöten seien, vor allem bei den andern, natürlich. Vieles ruft nach einer Richtungsänderung. Es ist erfreulich, wenn wir Alarmzeichen, wie sie in letzter Zeit als Folge von unverhältnismässigen Bezügen, Fehltritten von Wirtschaftsführern, unrühmlicher Behandlung von Mitarbeitenden ertönten, zum Anlass für Rückbesinnung nehmen: Selbsterkenntnis und -kritik kann der Ausgangspunkt zur Gestaltung einer reiferen Epoche sein.
Beide Seiten sind aufgerufen, das ihre zu dieser neuen Epoche beizutragen, um Vertrauen und Mass wieder herzustellen. Dass das Vertrauen in die Wirtschaft, in ihre Führung und ihren Stellenwert gelitten hat, zeigt sich nicht nur an der Börse, sondern auch an den Stammtischen und Parteiversammlungen. Ein eindrückliches Abbild der Vernetztheit aller Dinge.... Aufgefallen sind mir in den letzten Wochen auch die zahlreichen Artikel, welche sich mit den psychologischen Grundlagen der Ökonomie befassen. Frühere Einsichten treten wieder aus der Versenkung hervor, z.B. die Erkenntnis, dass finanzielle Anreize über ein gewisses Mass hinaus nicht das erwartete Mehr gebracht haben. Oder, dass der Stakeholder-Ansatz eben doch die zu bevorzugende Option darstellt. Und dass das Seelische (Daniel Held in NZZ) wieder Platz haben muss. Nun, nicht nur andere, sprich "die dort oben", sollen
über ihre Bücher gehen, Nein, Introspektion ist auch dem
Arbeitnehmer, der Arbeitnehmerin (eingeschlossen natürlich
das Top Management in der Funktion als ArbeitnehmerInnen) anempfohlen.
Und damit sind wir beim
LifeDesigning spricht zwei Dinge an: das Leben als Ganzes, ganzheitlich und vernetzt. Und das Gestalten des Lebens. Der Philosoph Wilhelm Schmid (Schönes Leben) meint zum "warum gestalten", dass die Endlichkeit uns dazu auffordere. Die Erfahrung zeigt zur Genüge, dass Dahinplätschern und Fahrenlassen im Leben nicht genügen. Das gilt für die Geschäftsführung wie für die Lebensführung. Es geht um die eigenverantwortliche Gestaltung des Lebens - Schmid nennt es "Aneignung des Lebens" - im Sinne der Selbstsorge und Selbstvorsorge. Also: Das eigene Leben Gestalten im Sinne der Selbstsorge wird alle Lebensbereiche umfassen: den Beruf/Arbeit, Beziehungen, Lernen, Freizeit, Gesundheit, Materielles, Spiritualität und nicht zuletzt das älter Werden. Die Verantwortung für diese Gestaltungsarbeit liegt klar beim Einzelnen. Selbstverantwortung materialisiert sich hier in schönster Form. Nur ich kann für Ich & Co. die Verantwortung übernehmen. Und diese schliesst neben der Innenarbeit auch die Verantwortung für mein Wirken nach aussen ein. Für meine Beiträge an die Mitwelt, die kleine und grosse Welt um mich herum. Und so sind wir jetzt bei LifeDesigning und dem Beruf. Der beruflichen Laufbahn, welcher - in unserer Kultur - ein zentraler Stellenwert im Leben zukommt. Im Ich & Co. bringe ich meine ganze Person an meinem Arbeitsplatz ein. Und der Arbeitgeber erwartet seinerseits genau dies. LifeDesigning ist zuerst einmal eine Einstellung, eine Haltung. Die Gaben, welche wir auf den Lebensweg mitbekommen und mitgenommen haben, setzen wir in unserem Tätigsein ein. Damit sind der Berufseinstieg, der erste bis zum letzen Job, die Karriere, die ehrenamtliche Tätigkeit, die Freiwilligenarbeit vor und nach der Pensionierung gemeint. Unsere besten und am meisten Befriedigung gebenden Fähigkeiten und Kenntnisse setzen wir ein im Sinne unserer Berufung, für das, wozu wir gerufen sind. Der grosse Mythologe Joseph Campbell spricht von einem "call", einem Ruf, welcher dann zu vernehmen ist, wenn wir auch wirklich in uns hineinhören. Diese Sicht des Be-Rufes ist nicht neu und doch ziemlich revolutionär.
Erstens meint sie Innensteuerung, also nicht vom Sich-Richten nach
dem Mainstream, nach dem was gerade gefragt und Mode ist. Ausgangspunkt
ist das, was ich beitragen will, wohin es mich zieht und nicht das,
was mir eine Instanz ausserhalb (Berater, Vorgesetzter, Arbeitsmarkt,
Das Lebenswerk von Richard N. Bolles schlägt in den Werken
"What Color Is Your Parachute?" (best seller) und "The
Three Boxes of Life And How To Get Out Of Them" Wege zum LifeDesigning
vor, welche für jedermann gangbar sind. Voraussetzung ist der
Wille, sich das Leben selbst anzueignen. Und dieser Wille erwacht
häufig erst dann, wenn die persönliche Alarmglocke in
der Form von Verlust, Krankheit, Trennung, Lebensübergänge
läutet. Meine eigene Erfahrung mit mir selbst und mit meinen
Klienten in der Beratung haben mir bestätigt, dass die Zeit
der persönlichen Transition ein mächtiger Verbündeter
ist, um voranzukommen. Eine herausfordernde Beziehung wie auch ein
wohlwollendes Mentoring und Coaching können dies ebenfalls
sein. Wer also diesen Weg des bewussten Gestaltens des Lebens, hier nun
des Berufes, der Laufbahn (auch als älterer Mitarbeitender),
gehen will, wird sich die oben beschriebene Haltung immer mehr zu
eigen machen. Und dann nach dem Prinzip "Vergangenes sagt Zukünftiges
voraus" zuerst und immer wieder einmal ein Inventar seiner
Stärken selbst machen. Nicht anonyme Tests sagen ihm das Wesentliche
über seine speziellen Gaben (besondere Fähigkeiten, Eigenschaften
und Kenntnisse), nein, er kann diese aus bisherigen Erfahrungen
(Introspektion) selbst herausdestillieren. Diese, zusammen mit der
Beschreibung seiner idealen Arbeitsumgebung (wie Chef, Art der Firma,
Klima) und gepaart mit seiner Lebensmission ergeben dann das Idealbild
seines Arbeitsplatzes. Das ist das Bild, welches er einbringt, wenn
es in der Welt des New Work um Stellenwahl, Entwicklung, Lernen,
Materielles, ja sogar um eine Reorganisation mit Entlassungen geht.
Eine weise Zusammenfassung der Hauptingredienzen jeder Lebens-Laufbahn-
gestaltung - hier in der Jobsuche - sagt: Jobsuche ist Informationssuche.
Zuerst eben die interne Suche nach den speziellen Gaben, nach dem
Bild der idealen Arbeitsumgebung, nach dem, was mich antreibt (Mission).
Dann die Recherche im Sinne von Brainstorming mit Freunden über
Arbeitsfelder und Funktionen, welche diese speziellen Gaben zum
vollen Einsatz bringen. Danach die externe Suche nach Arbeitgebern,
welche solche idealen Jobs haben. Die Evaluation (nach extensiver
Datensammlung) solcher Möglichkeiten gemessen am Bild des idealen
Jobs führt dann zur Kontaktaufnahme mit Zielfirmen über
die verschiedensten Wege. Dabei hilft der Königsweg über
das gepflegte Netzwerk von persönlichen und neuen Kontakten
am meisten, um sich mit seinem Portfolio an Können, untermalt
durch Erfahrung, als Problemlöser ins Gespräch zu bringen.
Die Suche richtet sich nicht primär nach dem Mainstream von
Inserat und Vermittlungsfirma, nein, der Suchende nimmt die Kontaktnahme
mit ausgewählten Firmen mit klarer eigener Zielsetzung Ich erfahre oft grosses Erstaunen und Einwände beim Vorbringen dieses ungewohnten Weges. Selbstverantwortung heisst aber hier (wie auch auf der Suche nach dem geeignetsten Lernweg, dem geeignetsten Wohnort, dem besten Partner, Arzt, spirituellen Lehrer, Vermögensverwalter): nicht auf gebratene Tauben warten, wohl andere zur Unterstützung bitten, jedoch im Sinne von "Selbstmächtigkeit" seinen eigenen Weg gehen. Es ist dabei so viel neue Erfahrung zu machen, welche sich im nächsten Portfolio gut auswirken wird. Zudem sei gefragt: sucht der reife Arbeitgeber denn eine andere Person als den Lebensunternehmer? LifeDesigning in diesem Gebiet kann - trotz gewissen möglichen Zielsetzungsdifferenzen - die beste Ausgangslage zwischen den Arbeitsparteien sein. Weil es Klarheit schafft. Beide Seiten wissen, was sie aus tiefstem Herzen wollen, bringen dies ein und handeln einen für beide gängigen Weg aus. Immer wieder. Somit gewinnt und behält der Arbeitgeber den (intrinsisch) motiviertesten Wissensträger, da dieser ja nur zu einem (nahezu) idealen Job voll ja sagt und alles daran setzt, diesen von seiner Seite auch so zu gestalten.
Der Einwand der Idealisierung kann nicht ganz von der Hand gewiesen werden. Doch ist zu bedenken, dass hohe Ziele in Forschungs- und andern Abteilungen, in innovativen und überlebensfähigen Unternehmen hohe Wirkung zeitigen. Warum nicht auch ähnliche Massstäbe für das eigene Leben - ob in jungen oder späten Berufsjahren, ja auch nach der Pensionierung - setzen? Die Anstrengung zahlt sich in vielerlei Richtung aus. So weiss man, um ein Beispiel aus einem andern Lebensbereich zu erwähnen, aus einer berühmten Harvard Studie (Grant Study: The Talent for Aging Well), dass kein anderer Faktor einen so starken Einfluss auf ein reifes Altern hat, wie der Life Style. Und dieser ist eine Frage der Wahl. Ob LifeDesigning für die Berufslaufbahn oder die ganze Lebens-Laufbahn mit allen ihren Facetten: es gilt das Prinzip: mich ganz einbringen und das Beste von mir geben: Mir selbst, meiner Familie, Freunden, der Gesundheit, dem Tätigsein, dem Lernen - und dem, was alles zusammenhält. Ich halte mich gerne an Dick Bolles' Empfehlung: Wer nicht wenigstens
(Dieser Aufsatz ist auch unter www.reife.ch zu finden).
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