Das Arbeitsteam, das ich heute wieder einmal begleite, bringt
sein Unbehagen an sich selbst auf den Punkt: "Uns fehlt das
innere Feuer. Wir sind schon eher eine Brandverhütungs-Anstalt.
In der Alltagsarbeit funktionieren wir recht und schlecht, gravierende
Missstände sind nicht auszumachen, und mit den engeren Rahmenbedingungen
(Sparvorgaben!) haben wir uns arrangiert."
Ähnliches im persönlichen Beratungsgespräch mit
einem Abteilungsleiter. Nach struben Zeiten der Umorganisation haben
sich die Gemüter beruhigt. Das Neue ist einigermassen installiert,
schon bald zur Gewohnheit geronnen. "Es bleibt alles beim Neuen",
tönt es hier und dort. Und die "Ruhe nach dem Sturm"
hat ihre Tücke: das Arbeitsklima hat sich deutlich abgekühlt.
Eine Art Unlust prägt die allgemeine Stimmung. "Als Chef
fühle ich mich davon angesteckt wie von einem Virus. Irgendwie
steckt der Wurm drin!"
So also bereitet sich vor, was in der Karriere-Pathologie als "burn-out"
bezeichnet wird. Ausgebrannt, kein feu sacré mehr, kein Herzblut,
keine libido. Das Bild des Feuermachens im Freien stellt sich ein.
Jeder bringt sein Holz, die Flammen lodern, so lange sie genährt
werden vom Holz und vom Sauerstoff. Feuer wärmt, stimuliert,
lässt die Augen glänzen, steckt an. Im Alltag der Arbeitsbeziehungen
wird häufig dieses Feuer gemieden: aus Angst vor dem Funken,
vor dem Brand, der nicht mehr einzugrenzen wäre. Wehret den
Brandstiftern!
So gerät Feuer in Verruf, bevor wir es gelebt haben. Der Eifer
ist unter Kontrolle, Sicherheit hat Vorrang, gegenseitige Absicherung
und Abgrenzung. So betrachtet, stellt sich die Frage: Gibt es ein
Leben v o r dem Tode?
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Im älter Werden wird mir bewusster: Leben heisst (auch)
brennen. Mein Lebendig sein ist Bereitschaft, zu verzehren und
verzehrt zu werden. Im Eros zu verbrennen, nicht in den (immer
gleichen) Zweifeln an anderen und an mir selbst. Refirement,
nicht retirement (sagen die Amerikaner). |
Und den (vermeintlich) burn-out-Gefährdeten rufe ich zu: Wagt
wieder einmal ein burn-in! Wärmt eure Hände, eure Gesichter,
eure Herzen am offenen
Feuer.
Edmond Tondeur
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