<< zurück
 

Besser reifen als "ausbrennen"

von Edmond Tondeur


Das Arbeitsteam, das ich heute wieder einmal begleite, bringt sein Unbehagen an sich selbst auf den Punkt: "Uns fehlt das innere Feuer. Wir sind schon eher eine Brandverhütungs-Anstalt. In der Alltagsarbeit funktionieren wir recht und schlecht, gravierende Missstände sind nicht auszumachen, und mit den engeren Rahmenbedingungen (Sparvorgaben!) haben wir uns arrangiert."

Ähnliches im persönlichen Beratungsgespräch mit einem Abteilungsleiter. Nach struben Zeiten der Umorganisation haben sich die Gemüter beruhigt. Das Neue ist einigermassen installiert, schon bald zur Gewohnheit geronnen. "Es bleibt alles beim Neuen", tönt es hier und dort. Und die "Ruhe nach dem Sturm" hat ihre Tücke: das Arbeitsklima hat sich deutlich abgekühlt. Eine Art Unlust prägt die allgemeine Stimmung. "Als Chef fühle ich mich davon angesteckt wie von einem Virus. Irgendwie steckt der Wurm drin!"

So also bereitet sich vor, was in der Karriere-Pathologie als "burn-out" bezeichnet wird. Ausgebrannt, kein feu sacré mehr, kein Herzblut, keine libido. Das Bild des Feuermachens im Freien stellt sich ein. Jeder bringt sein Holz, die Flammen lodern, so lange sie genährt werden vom Holz und vom Sauerstoff. Feuer wärmt, stimuliert, lässt die Augen glänzen, steckt an. Im Alltag der Arbeitsbeziehungen wird häufig dieses Feuer gemieden: aus Angst vor dem Funken, vor dem Brand, der nicht mehr einzugrenzen wäre. Wehret den Brandstiftern!

So gerät Feuer in Verruf, bevor wir es gelebt haben. Der Eifer ist unter Kontrolle, Sicherheit hat Vorrang, gegenseitige Absicherung und Abgrenzung. So betrachtet, stellt sich die Frage: Gibt es ein Leben v o r dem Tode?



Im älter Werden wird mir bewusster: Leben heisst (auch) brennen. Mein Lebendig sein ist Bereitschaft, zu verzehren und verzehrt zu werden. Im Eros zu verbrennen, nicht in den (immer gleichen) Zweifeln an anderen und an mir selbst. Refirement, nicht retirement (sagen die Amerikaner).

Und den (vermeintlich) burn-out-Gefährdeten rufe ich zu: Wagt wieder einmal ein burn-in! Wärmt eure Hände, eure Gesichter, eure Herzen am offenen Feuer.

Edmond Tondeur

* * *



  LifeDesigning    Peter Kessler, lic.oec.HSG    CH-8645 Jona-Kempraten